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Gummidruck – Künstlerische Forschung
Photografie von Stefan Diersmann, Julia Flachmeyer gen. Koch,
Lukas Gruenke, Nora Herdegen und Helge Christian Liebsch, Uni Osnabrück

17.04.- 03.05.2014

Seit der Entdeckung/Erfindung der Fotografie 1839 haben Fotografen im Wechselspiel zwischen Tradition und Innovation die Grenzen der Fotografie immer wieder aufs Neue versucht auszuloten und neue Wege der Darstellung der Welt, des Zeitgeschehens und ihrer Weltanschauung durch die Fotografie erkundet und beschritten.
Im Rahmen des Projekts Künstlerische Forschung im Gebiet Fotografie im Fachbereich Kunst/Kunstpädagogik der Universität Osnabrück versuchen nun Stefan Diersmann, Julia Flachmeyer gen. Koch, Lukas Gruenke, Nora Herdegen und Helge Christian Liebsch die Möglichkeiten des Gummidrucks in der Auseinandersetzung mit der heutigen Welt zu erkunden. Sie wagen den Versuch einer Synthese alter, fast vergessener fotografischer Technik und einem gegenwärtigen, modernen und digital geprägten Weltverständnis. Dabei kombinieren sie den Gummidruck mit Motiven aus der Gegenwart in so unterschiedlichen Bereichen wie Landschaft und Porträt. Sie suchen zwischen Tradition und Innovation nach neuen Ausdrucksweisen in der heutigen Zeit.


Wie gemalt …
… erscheinen die Fotografien von Künstlern wie Heinrich Kühn, Hugo Henneberg oder Robert Demachy. Pinselstriche lassen sich erahnen, die Struktur des Papiers eröffnet sich dem Betrachter, manchmal mutet die Fotografie auch wie eine Kreidezeichnung an.
Ein ungewohnter Anblick in der heutigen, digitalen Zeit, in der Fotografien in Sekunden entstehen und einige Fingerstreiche ausreichen, um das Bild nachträglich zu bearbeiten und den gewünschten Filter auszuwählen. Der Gummidruck hingegen scheint nahezu gänzlich in Vergessenheit geraten zu sein.

Fünf StudentInnnen der Universität Osnabrück versuchen nun auf den Spuren Kühns, Hennebergs und Demachys zu wandeln. Stefan Diersmann, Julia Flachmeyer gen. Koch, Lukas Gruenke, Nora Herdegen und Helge Christian Liebsch lassen die Technik des Gummidrucks wieder aufleben. Damit gehen sie innerhalb der Geschichte der Fotografie zurück an den Beginn des 20. Jahrhunderts, in eine Zeit, in der Fotografien nicht ohne weiteres mannigfach verbreitet werden konnten, Fotografien erst einmal entwickelt werden mussten, um betrachtet werden zu können, die Fotografie noch im Begriff war, sich als eigenständiges künstlerisches Medium zu definieren und zu etablieren.

Der Gummidruck rückt den Fotografen des beginnenden 20. Jahrhunderts durch die Möglichkeit der bewussten Manipulation der Aufnahme (z.B. durch Papierwahl, Farbwahl oder Beeinflussung der Aufnahme durch Pinselstriche) in den Mittelpunkt des künstlerischen Vorgangs der Fotografie. Edeldruckverfahren wie der Gummidruck, nehmen daher innerhalb der Kunstfotografie (Piktorialismus) des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des anbrechenden 20. Jahrhunderts einen wichtigen Platz ein und tragen dazu bei, die Fotografie als Kunstform zu etablieren.
Jede Fotografie wird durch den Gummidruck zum Unikat, Analogien zu Gemälden entstehen.

Text: Nora Herdegen